Gesundheitstipps aus der modernen Steinzeit

Ursprüngliche Ernährungsweisen liegen im Trend

Viele Menschen expermintieren mit ihrer Ernährung und versuchen dabei Dinge, die von der gängigen Standard-Ernährung laut Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) abweichen. Gerade Menschen mit Autoimmunerkrankungen probieren Alternativen aus, wenn sie vermuten, dass sie durch die Ernährung wieder mehr Wohlbefinden erlangen können. Die folgenden relativ weit verbreiteten Ernährungsweisen gehen alle in Richtung einer ursprünglichen Ernährungsweise: die Steinzeiternährung (Paleo-Ernährung), die Rohkost-Ernährung aber auch eine kohlenhydratreduzierte Kost, die ketogene Ernährung sowie sogar Fastentage.

Ich möchte Sie an dieser Stelle schon einmal ermutigen, selbst mit verschiedenen Ernährungsweisen, die möglichst ursprünglich sind, herum zu spielen, denn nur so können Sie feststellen, was für Sie tatsächlich funktioniert.

Unsere Vorfahren waren gesund... und top-fit

Die Orientierung in unsere Vergangenheit lohnt sich: schauen wir einmal auf uns Menschen in der ursprünglichen Version, dann wird uns klar, dass sie gesund waren bis ins hohe Alter und dazu auch noch top-fit.

Wie komme ich darauf? Begleiten Sie mich dazu auf den nächsten Zeilen…

Zuerst einmal möchte ich erläutern, was ich mit “Menschen in der ursprünglichen Version" meine: unsere ältesten Vorfahren – menschenähnliche Tiere – “betraten" vor etwa 2,5 Millionen Jahren die Erde.1 Das ist grob gerechnet über 70.000 Generationen her, kaum vorstellbar! Es handelte sich damals noch nicht um homo sapiens, “weise Menschen", sondern um die als Urmenschen anzusehenden homo habilis oder homo rudolfensis. Später, aber vor mindestens 300.000 Jahren kam der homo sapiens dazu. Er begann vor gut 70.000 Jahren mit dem Aufbau von Kulturen, was als kognitive Revolution bezeichnet wird. Der nächste große Entwicklungsschritt unserer homo sapiens ist die Entwicklung der Landwirtschaft, die in den unterschiedlichen Regionen der Erde zu unterschiedlichen Zeitpunkten einsetzte. Im Durchschnitt sprechen die Wissenschaftler hier von der Zeit vor 12.000 Jahren.2

Wenn ich hier von “ursprünglichen" Menschen spreche, meine ich genau diejenigen, die im Zeitraum von vor 70.000 Jahren bis vor etwa 12.000 Jahren lebten, vor dem Aufkommen der Landwirtschaft.

Waren diese Menschen überhaupt gesund? Lohnt es sich, ihnen nachzueifern?

Die Lebenserwartung während dieser ursprünglichen Zeit, der Altsteinzeit, lag bei 33 Jahren. Wenn ein Urmensch in der Lage war, primitive Gefahren zu überwinden und die Pubertät zu erreichen, stieg die Lebenserwartung auf 39 Jahre. Falls er oder sie tatsächlich das 39. Lebensjahr erreichte, konnte man mit einem Lebensalter von bis zu 54 Jahren rechnen.  Hätten Sie das gedacht? Die damalige Lebenserwartung ist noch beeindruckender, wenn man die relativ hohen Raten von Kindersterblichkeit und Todesfällen aufgrund trivialer Unglücke berücksichtigt. Diese spielen in den Industrieländern heutzutage keine Rolle mehr. Von der Gefahr eines Raubtiers bis zur tödlichen Infektion durch eine leichte Verletzung waren Unglück und Krankheit in der Urzeit tödlich. Moderne Forschungen zeigen, dass noch heute existierende Menschen in Jäger-und-Sammler-Gruppen eine hohe Lebenserwartung haben.3

Bemerkenswerterweise ist die Schätzung des “maximalen Lebenserwartungspotentials" (definiert als die maximale beobachtete Lebenserwartung einer Art) vom homo sapiens vor 15.000 Jahren mit 94 Jahren höher als die entsprechende Zahl von 91 Jahren, die über moderne Menschen erforscht ist! Dieses Material stammt aus der Arbeit von Dr. Richard G. Cutler, Molekularer Gerontologe und Experte für Langlebigkeit, der mehr als 100 Artikel zu diesem Thema verfasst hat und 19 Jahre lang als Forschungschemiker am Gerontology Research Center at the National Institutes of Health’s National Institute on Aging (etwa: Gerontologisches Forschungszentrum am Nationalen Institut für Altersforschung der Nationalen Gesundheitsinstitute) arbeitete.

Unsere “ursprünglichen Menschen" waren außergewöhnliche physische Exemplare, die sich notwendigerweise ihr ganzes Leben lang bester Gesundheit und körperlicher Verfassung erfreuten. Diejenigen, die schwach, krank oder wenig intelligent waren, konnten sich wahrhaftig nicht erfolgreich fortpflanzen. Denken wir dabei einmal an Charles Darwin und den von ihm beschriebenen Überlebens- oder Selektionsdruck. Die Natur ist dabei unerbitterlich: die “benachteiligten" Gene wurden zugunsten gesunder, starker und intelligenter Gene eliminiert. Durch dieses genetische Nadelöhr musste die Menschheit gehen.

Foto: Cristofer Jeschke @ Unsplash

Entgegen der gängigen Meinung führte das Aufkommen der Zivilisation durch die landwirtschaftliche Revolution tatsächlich zu einem stetigen Rückgang der menschlichen Lebenserwartung. Während der Bronzezeit von 3300 v. Chr. bis 1200 v. Chr. sank sie von ursprünglichen 33 Jahren auf ein Allzeittief von 18 Jahren. Begründet wird dies durch sich rasch ausbreitende Infektionskrankheiten (zum ersten Mal lebten Menschen wirklich in enger Nachbarschaft), Kriegsführung und minderwertige Ernährung (im Vergleich zur Jäger-Sammler-Ernährung).

Selbst bei Wikipedia ist zu lesen: “Für die Individuen verschlechterte sich durch die Entwicklung die Ernährungslage im Durchschnitt allerdings eher (geringerer Proteinanteil, Hungersnöte durch Missernten), was sich unter anderem in einer Abnahme der Körpergröße gegenüber den Jägern und Sammlern zeigt.4

Der moderne Mensch kommt aus der Steinzeit

Haben wir noch etwas mit den Menschen aus der Altsteinzeit gemeinsam? Ja!

In den Zeilen weiter oben geht es ganz kurz um den Selektionsdruck. Dieser entsteht, wenn bestimmte Faktoren, die sogenannten Selektionsfaktoren oder Umweltfaktoren, Einfluss auf das Überleben einer Population von Lebewesen ausüben. Aus Sicht der Evolution geht es also lediglich darum, dass wir uns fortpflanzen. Alles, was danach kommt, ist aus ihrer Sicht uninteressant.

Unsere moderne Wissenschaft inklusive der Entwicklungen im Gesundheitswesen sorgt dafür, dass wir immer älter werden können. Dies bedeutet leider nicht unbedingt, dass wir auch bis ins hohe Alter gesund und fit sind. Dazu können Sie sich einfach einmal umschauen und überlegen, auf wie viele Menschen in Ihrer Umgebung die Attribute “gesund" und “fit" zutreffen.

Auch unsere Gene entwickeln sich weiter und es kommt zu einer großen genetischen Vielfalt. Allerdings fehlt der Selektionsdruck, um eine wirkliche evolutionstechnische Entwicklung zu erreichen. In unserer modernen Welt ist es ganz normal, die Geschlechtsreife zu erreichen und sich fortzupflanzen, auch wenn (danach) die Gesundheit oft zu wünschen übrig lässt (insbesondere in Bezug auf körperliche Fitness). Keine der heutzutage unterschiedlichen genetischen Zusammensetzungen bei uns Menschen hat sich aufgrund von Selektionsdruck dominant auf der Erde durchgesetzt. Wir stecken genetisch noch in der Steinzeit.

Essen wie damals

Unsere ursprünglichen Vorfahren lebten also gesund und waren top-fit bis ins hohe Alter. Viele Faktoren spielten dafür eine Rolle, darunter die Ernährung. Was können wir von unseren homo sapiens in Bezug auf die Ernährung lernen?

Ernährung war auf der ganzen Welt niemals ganz gleich. Das ließe sich auch nicht realisieren, da in den unterschiedlichen Regionen der Erde unterschiedliche Dinge als Nahrung in Frage kamen, abhängig vom vorherrschenden Klima. Was aber überall gleich war, ist der Fakt, dass sich die Menschen von Pflanzen und Tieren ernährten.5 “Und sie aßen immer dann, wenn es etwas gab – schließlich gab es (anders als heute) nicht immer etwas."6 schreibt Mark Sisson in “Gesundheitsgeheimnisse aus der Steinzeit“.

Eine weitere Gemeinsamkeit unserer weiser Vorfahren war, dass sie so gut wie kein Getreide zu sich nahmen. Aus heutiger Sicht sind Nahrungsmittel aus Getreide tatsächlich oft Grundnahrungsmittel, aber zu unrecht. Unser Verdauungssystem und unsere Gene hatten nicht die Zeit, sich auf diese unüblichen Eiweißstrukturen (insbesondere in den heutzutage üblichen Mengen) einzustellen. Denken Sie an die fehlende evolutionäre Entwicklung seit der Steinzeitmenschen. Des weiteren haben sich unsere menschlichen Körper nicht auf die unheimlich großen Mengen an Kohlenhydraten einstellen können, die in Getreide (ja, auch Vollkorngetreide!) enthalten sind. Experten bezeichnen Getreide aus diesem Grund als giftig, was es zu vermeiden gilt.

Und wenn wir schon bei Gift sind, dann erinnern wir uns daran, dass urprüngliche Menschen einen Bogen um Giftiges machten, wenn sie überleben (und sich fortpflanzen) wollten. Heute laufen wir selten Gefahr, während eines Streifzugs in den Supermarkt auf wirklich giftige Pflanzen zu treffen und diese womöglich noch zu verzehren. Unsere “normalen Nahrungsquellen sind wahrlich toxisch genug. Damit meine ich, dass sie unseren Genen gar nicht schmecken und die normalen, gesunden Körperfunktionen stören. Ich spreche natürlich von Zucker und Zuckerwässern, von chemisch veränderten Fetten, von industriell verarbeiteten, abgepackten, frittierten und mit Konservierungsmitteln versetzten Speisen."6

Foto: Capturing the human heart. @ Unsplash

Zusätzliche Zutaten für ein Spitzen-Leben

Das steinzeitliche Leben unterschied sich nicht nur in Bezug auf die Ernährung von dem unsrigen. So gibt es noch weitere “Zutaten" für ein Leben, in dem wir bis ins hohe Alter topfit sind:

  1. Viel Bewegung mit mäßigem Einsatz: Unsere Vorfahren kannten keine langen Phasen der Untätigkeit, so wie es für uns heute im Büroalltag aussieht. Sie bewegten sich eigentlich den ganzen Tag, in einem eher gemütlichen Tempo.
  2. Immer wieder wurde Schweres gehoben: Moderne Technik macht uns vieles leicht. Dadurch kennen wir es auch oft nicht, dass man (und Frau!) im Alltag immer wieder schwere Dinge heben muss und darf. In der Steinzeit war das durchaus Teil des Lebens: beim Wegtragen von Beute, beim Bau eines Unterschlupfes, beim Herumtragen des Nachwuchses und beim Klettern (wenn das eigene Körpergewicht mühelos durch Muskelkraft angehoben wird).
  3. Ab und zu wurde so richtig gesprintet: Das steinzeitliche Leben war nicht immer leicht. Um Beute zu fangen, mussten die Menschen mitunter sehr schnell laufen… oder stellen Sie sich das Gegenteil davon vor: die Menschen wollten selbst nicht zur Beute werden und rannten mitunter buchstäblich um ihr Leben.
  4. Die Menschen bekamen ausreichend Schlaf: Nach Einbruch der Dunkelheit und ohne die Anwesenheit von künstlichem Licht wurden die Menschen müde und gingen auch schlafen. Dadurch konnten sie die zeitweise sehr anstrengenden Phasen ihres Lebens durch wichtige Entspannung sozusagen im Schlaf ausgleichen.
  5. Es wurde viel gespielt: Es stimmt. Die steinzeitlichen Menschen hatten eine Menge Freizeit und genossen sie. Es ist heute bekannt, dass sie in ihren Gruppen die unterschiedlichsten Spiele spielten, freilich immer an der frischen Luft.
  6. Man war draußen, an der Sonne: Die Sonne bedeutet Leben, für die Tiere, für die Pflanzen, für die Menschen. Ich glaube nicht, dass “ursprüngliche" Menschen regelrechte Sonnenbäder genossen (so wie wir es kennen: am Strand und stundenlang), aber sie waren eigentlich den ganzen Tag draußen und ihre Haut war immer wieder der Sonne ausgesetzt.
  7. Dumme Fehler waren damals tödlich: Dies ist ein riesengroßer Unterschied zur heutigen Welt. Ein dummer Fehler und das schöne Leben konnte in der Steinzeit ganz schnell vorbei sein. Unsere Vorfahren mussten also vorsichtig sein und Dummheiten vermeiden. Kein homo sapiens von damals hätte sich zum Spaß Gefahren wie Komasaufen, Bungee-Jumping oder Balconing ausgesetzt. Es gab keine Krankenhäuser, keine Airbags, keine Feuerwehr.
  8. Das Gehirn wurde eingesetzt: Durch eine optimale Ernährung und das Anwenden komplexer Denkprozesse wurde das Gehirn gefordert und gefördert. So konnte es erst wachsen. Auf der ganzen Welt entwickelten Jäger und Sammler unabhängig voneinander Sprache, Werkzeuge und ausgeklügelte Jagdmethoden. Die Steinzeitmenschen kannten keine stumpfen Routine-Tätigkeiten. Dafür hatten sie hochsensible Sinne, da sie diese in ihrem natürlichen Leben wirklich brauchten. Überhaupt waren nützliche Fertigkeiten, die im Alltag benötigt wurden, überlebenswichtig und deswegen auch weit verbreitet.

Was bedeutet das jetzt alles für Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto Thyreoiditis? Meine Meinung und meine Erfahrung ist folgende: wenn wir unsere Wurzeln und unsere Gene verleugnen und ein modernes Leben führen, das uns weit weg von unserer Natur führt, legen wir die Basis für ein schlechter werdendes Wohlbefinden und eine schlechter werdende Gesundheit. Autoimmunerkrankungen gehören zu den Lebensstilkrankheiten. Ja, das haben Sie richtig gelesen! Die Chance steckt bereits in dieser Definition: ändern wir unseren Lebensstil (inklusive Ernährung)! Je näher wir an unsere urpsrüngliche menschliche Natur heran kommen, desto besser wird sich unser Gesundheitszustand entwickeln!

Foto: Danielle McInnes @ Unsplash

Wie wäre es, wenn wir uns von unseren modernen Steinzeit-Vorfahren etwas in unsere Bücher schreiben würden? Ich meine die Bücher mit unseren Vorsätzen, unseren Zielen, unseren selbst gewählten Aufgaben. Noch besser wäre natürlich, diese Dinge nicht nur zu schreiben sondern auch umzusetzen. Haben Sie Schwierigkeiten, ein “moderner Steinzeitmensch" zu sein? Wie wäre es mit einem Gesundheits-Coaching? Melden Sie sich zu einem kostenlosen Gespräch “Gesundheits-Coaching entdecken" an!

1 Yuval Noah Harari 2015. Eine kurze Geschichte der Menschheit. 12

2 Yuval Noah Harari 2015. Eine kurze Geschichte der Menschheit. 11

3 Michael Gurven, Hillard Kaplan 2007. Longevity Among Hunter-Gatherers: A Cross-Cultural Examination.

4 Wikipedia Steinzeit. Absatz “Materialle Kultur der Steinzeit", “Nahrung"

5 A. Sistiaga, C. Mallol, B. Galván, R.E. Summons
2014. The Neanderthal Meal: A New Perspective Using Faecal Biomarkers.

6 Mark Sisson 2015. Gesundheitsgeheimnisse aus der Steinzeit. Das revolutionäre Primal Health-Konzept. 59

7 Mark Sisson 2015. Gesundheitsgeheimnisse aus der Steinzeit. Das revolutionäre Primal Health-Konzept. 61

Fotos: Lies Leonard, Cristofer Jeschke, Capturing the human heart., Danielle McInnes @ Unsplash


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Franziska Mickley hat sich als emphatischer Gesundheitscoach und Bloggerin auf die Bedürfnisse von Menschen mit Autoimmunerkrankung(en) spezialisiert. Dabei richtet sie ihr Handeln an der menschlichen Natur aus: jeder Schritt zu "mehr Mensch" ist ein Schritt in Richtung gesteigerter menschlicher Gesundheit. Das bedeutet auch, durch gesunde Ernährung und Lebensweise Krankheiten möglichst gar nicht erst zuzulassen. Franziskas Artikel liefern nicht nur Wissen sondern auch Rezeptideen, denn sie ist durch ihre eigene gesundheitliche Reise zu einer kreativen Köchin geworden.

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