Der Zusammenhang zwischen “Leaky Gut” und Autoimmunerkrankungen

Was ist ein "Leaky Gut"?

“Leaky Gut", das ist Englisch und bedeutet so viel wie “durchlässiger Darm". Im folgenden Text geht es um diesen Zustand und warum er für Menschen mit Autoimmunerkrankung relevant ist.

Unser Darm – ein wichtiger Abschnitt des menschlichen Verdauungssystems – hat die Aufgabe, ausschließlich lebenswichtige Nährstoffe in unseren Körper zu lassen. Dazu muss er gewissermaßen durchlässig sein. Die Durchlässigkeit beim “Leaky Gut" ist allerdings ungesund, da sie krankhaft erhöht ist. Das bedeutet, es kommen mehr Dinge in unseren Körper als notwendig … oder es kommen die falschen Dinge in unseren Körper.

Wenn wir uns das menschliche Verdauungssystem betrachten, können wir es mit einem langen Schlauch vergleichen. Der Anfang des Schlauches ist unser Mund mit den Lippen und das Ende befindet sich am After. Unsere Nahrung nimmt ihren Weg durch diesen Schlauch hindurch und wird mittels verschiedener Mechanismen unserer Verdauung in kleinste Bestandteile aufgespalten und anschließend über den Darm und dessen Schleimhaut in unseren Körper aufgenommen. Alles, was nicht über die Darmschleimhaut in unseren Organismus gelangt, wird normalerweise über den Stuhl ausgeschieden. Der Darm ist ein sehr großes Organ, das in Buchten, Falten und Krypten gelegt ist und innen drin noch sogenannte Zotten aufweist. Das alles dient dazu, eine möglichst große Oberfläche zu realisieren. Über diese Oberfläche, die zwischen 400 und 500 Quadratmeter groß ist, treten wir in Kontakt mit unserer Umwelt.

Und diese große Berührungsfläche zur Umwelt ist wahrscheinlich auch die Begründung, warum der größte Teil unseres Immunsystems im Darm verortet wird: es wird dort am meisten gebraucht, um den Menschen vor Eindringlingen zu schützen. Wir sprechen von der sogenannten Darm-Barriere. Im Darm ist quasi außerhalb unseres Körpers und bestimmte Stoffe gelangen durch die Darm-Barriere hindurch in unseren Körper hinein.  Die Funktion des Einlassens von bestimmten Stoffen und Abwehrens anderer Dinge ist beim “Leaky Gut" erheblich gestört.

Foto: JOSHUA COLEMAN @ Unsplash

Wie entsteht ein Leaky Gut?

Ein Leaky Gut wird durch verschiedene Mechanismen begünstigt. Dazu zählen eine ungesunde Darmflora und auch Lebensmittel, die direkt und indirekt unsere Darmschleimhaut beeinträchtigen.

Eine ungesunde Darmflora schadet dem Darm

In unserem Darm leben unzählige Bakterien, die zu verschiedenen Bakterienstämmen gehören. Sie helfen uns, Nahrung zu verdauen, unterstützen unser Immunsystem, erzeugen selbst Vitamine und auch Energie für die Darmschleimhaut. Außerdem schützen sie unsere Darmschleimhaut und entgiften viele Stoffe, die für unseren Organismus schädlich sind.

Der Zusammenhang aller dieser Bakterien wird als Darmflora bezeichnet. Es handelt sich dabei durchaus sowohl um hilfreiche als auch krank machende Bakterien, wobei die krank machenden bei einem gesunden Menschen in der Minderheit sind und gewissermaßen durch die hilfreichen Darmbakterien “in Schach" gehalten werden. Auch besitzt jeder Mensch seine eigene Kombination von Darmbakterien mit einer ganz individuellen Verteilung der “guten Bakterien", unter ihnen Lactobazillen, Enterokokken, Bifidobakterien, Enterobakterien, Clostridien und viele andere.

Durch Antibiotikatherapien, ungesunde Nahrungsmittel, Genussgifte (Koffein, Nikotin, Alkohol), Magensäuremangel, bestimmte Medikamente (zum Beispiel Abführmittel), Vitalstoffmangel, Bewegungsmangel oder auch anhaltenden Stress können sich die schädlichen Bakterien stärker als normal vermehren. Gleichzeitig reduziert sich dadurch die Zahl der hilfreichen Bakterien. Sobald der Anteil der schädlichen Bakterien eine bestimmte Grenze überschreitet, sprechen wir von einer ungesunden Darmflora: die schädlichen Bakterien haben nun die Oberhand und es überwiegen Fäulnisprozesse im Darm, es kommt zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Verstopfung und längerfristig wird dadurch das Immunsystem geschwächt und verschiedene Krankheiten werden begünstigt.1

Durch diese aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora können die hilfreichen Bakterien nun leider eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Darmschleimhaut zu schützen, nicht mehr ausreichend erfüllen. Die ungeschützte Darmschleimhaut wird dadurch noch leichter Opfer von schädigenden Einflüssen wie zum Beispiel aggressiven Nahrungsmitteln.

So schaden bestimmte Lebensmittel unserer Darmschleimhaut

Verschiedene Nahrungsmittel schaden direkt oder indirekt dem Darm. Dabei sind es nicht die Nahrungsmittel an sich sondern verschiedene Bestandteile, die sich in ihnen befinden. Die schädigenden Elemente werden oft auch als Antinährstoffe bezeichnet. Zu den Antinährstoffen gehören beispielsweise bestimmte Lektine, Verdauungsenzyminhibitoren, Phytate, Oxalate, Saponine und Glykoalkaloide. Auch Alkohol sowie die Zusammensetzung der Hauptbausteine (Makronährstoffe) eines Nahrungsmittels können dazu beitragen, dass Entzündungen in der Darmschleimhaut auftreten.

Wie ist das mit den Lektinen?

Lektine sind in jedem Lebewesen vorhanden, in Menschen, Tieren und Pflanzen. Bestimmte Lektine aber – und hierzu gehören Prolamine und Agglutinine – gibt es nur in Pflanzen. Sie schützen die Pflanze vor UV-Strahlung, räuberischen Insekten und die Pflanze krank machende Mikroorganismen. Prolamine sind für uns Menschen unverdaulich, das bedeutet, wir können sie nicht zu Aminosäuren aufspalten. Sie bleiben als Ketten von Aminosäuren in unserem Darm. So ist zum Beispiel Gluten eine solche Kette oder auch Gliadin (eine Aminosäuren-Sequenz innerhalb von Gluten). Diese Lektine beschädigen unseren Darm auf unterschiedliche Art und Weise:

Unsere Darm-Barriere besteht aus einer sehr dünnen Schleimhautschicht. Man kann sagen, dass sie nur eine Zelle dick ist. Innerhalb des Darms befindet sich unser Nahrungsbrei, von dem hilfreiche Nährstoffe in unseren Körper gelangen sollen. Der Nahrungsbrei ist quasi durch nur eine Zellschicht von unserem Organismus getrennt. Diese Zellschicht besteht aus Enterozyten. Lektine können durch diese Zellen hindurch wandern und so in unseren Körper gelangen. Als Kette von Aminosäuren – und nicht als einzelne Aminosäuren – rufen sie das Immunsystem auf den Plan und sorgen für Entzündungen. Sie schädigen aber als allererstes die Enterozyten selbst und können sie abtöten. Außerdem können Lektine durch die Zellzwischenräume (sogenannte “Tight Junctions") hindurch wandern. Das passiert am besten, wenn die Enterozyten bereits geschädigt sind. Manche Lektine, unter ihnen das bereits aufgeführte Gluten, stimulieren die Ausschüttung des Stoffes Zonulin, welcher zusätzlich die Zwischenräume in der Darmschleimhaut öffnet.2

Die aggressivsten Lektine in der größten Anzahl finden sich im Getreide. Da gibt es nicht nur Gluten in Weizen, Roggen und anderen Sorten, sondern viele andere, die potenziell unserer Darm-Gesundheit schaden: Im Hafer kennen wir das Avenin, im Mais das Zein und im Reis das Orzenin. Auch die Samen von Hülsenfrüchten liefern schädliche Lektine.

Verdauungsenzyminhibitoren, die uns schaden

“Samen wollen nicht verdaut werden, denn ein verdauter Samen kann nicht zu einer neuen Pflanze heranwachsen. Daher macht es Sinn, dass Samen Stoffe enthalten, die sie während ihrer Passage durch den Magen-Darm-Trakt schützen sollen. Dazu zählen Verdauungsenzyminhibitoren, die in besonders hohen Konzentrationen in Getreide, Pseudogetreide und Hülsenfrüchten vorkommen."3

Wir brauchen Verdauungsenzyme, um Lebensmittel in ihre kleinsten Bestandteile aufzuspalten. Eiweiße werden bis auf Aminosäuren zerlegt; Mehrfachzucker und Kohlenhydrate werden bis auf Einfachzucker zerlegt. Ungenügend verdaute Lebensmittel können die Darmschleimhaut irritieren, wie oben schon bei den Lektinen beschrieben. Verdauungsenzyminhibitoren blockieren dieses Enzyme und begünstigen so ein Leaky Gut.

Phytate und Phytinsäure

Die Worte “Phytate" und “Phytinsäure" beschreiben eigentlich den gleichen Stoff, da das Phytat das Salz der Phytinsäure ist. Phytat entsteht sozusagen durch die Bindung von Phytinsäure an Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Eisen, Kalium und Zink. Die Bindung der Mineralien an die Phytinsäure ist so stark, dass sie durch unsere Verdauung nicht gelöst werden kann. Die durchaus hilfreichen Mineralien, die in Lebensmitteln enthalten sein können, bleiben durch die Bindung an Phytinsäure im Darm und können nicht für unsere Gesundheit verwendet werden. Darüber hinaus kann der Verzehr von zu viel Phytat die Darmwand reizen und einen Leaky Gut begünstigen. Auch hier macht die Dosis das Gift. Das bedeutet, ein übermäßiger Verzehr von Phytaten ist problematisch.4

Getreide und Hülsenfrüchte sind besonders reich an Phytinsäure. Hier ist es vor allem in der Randschicht des Korns und in Kleie zu finden.

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Können Oxalate den Darm aufritzen?

“Oxalate" und “Oxalsäure" stehen in einem ähnlichen Zusammenhang wie “Phytate" und “Phytinsäure" im Abschnitt weiter oben: Oxalsäure kommt in der Natur immer an Mineralien gebunden vor und bildet dadurch Oxalate. Die beiden Begriffe werden dennoch oft synonym verwendet.

Oxalsäure findet sich in fast allen Pflanzen. Auch tierische Lebensmittel können Oxalate enthalten, allerdings nur in sehr geringen Mengen. Während Oxalate in den meisten Pflanzen nur in geringer Menge vorkommt, verfügen bestimmte Arten, vor allem Blattgemüse, wie Rhabarber, Mangold, Portulak, Spinat und Sauerampfer, aber auch Amaranth, Tee und Kakao, über eine sehr hohe Konzentration davon.

Oxalate sind auf verschiedenen Wegen potenziell schädlich für unsere Darmgesundheit:

  • Die meisten Nierensteine bestehen aus Oxalaten. “Nierensteinerkrankungen haben sich in den Industriestaaten zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. Schätzungen zu Folge leiden ca. 5-10% aller Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Nierensteinen."5
  • In großen Mengen genossen sorgen Oxalate dafür, dass bestimmte “gute" Bakterien absterben. Diese Bakterien, zum Beispiel Lactobacillus acidophilus, sollen eigentlich Oxalate verstoffwechseln. Ein anderes Beispiel für Bakterien, die Oxalate aufspalten können, sind Oxalobacter formigenes. Allerdings wird diese Spezies sehr häufig Opfer von Antibiotikatherapien. Wenn diese nützlichen Bakterien nicht mehr in ausreichenden Mengen im Darm leben, können wir von einer unausgewogenen (ungesunden) Darmflora sprechen.6
  • Oxalatkristalle im Körper können spitz wie Nadeln sein. So haben einige Studien einen Zusammenhang zwischen ihnen und Verdauungsproblemen hergestellt. Wenn bereits ein Leaky Gut vorliegt, können durch den durchlässigeren Darm mehr Oxalate vom Organismus aufgenommen werden als im gesunden Fall. Einige Experten vertreten sogar die Ansicht, dass durch die spitzen Oxalatkristalle die empfindliche Darmbarriere verletzt wird, es zu Entzündungen kommt und dadurch ein Leaky Gut begünstigt wird.

Die Forschung rund um Oxalate ist noch recht jung. Viele Mediziner bringen Oxalate lediglich mit Nierensteinen in Verbindung. Neuere Forschungen zu den mannigfaltigen Auswirkungen von Oxalaten auf den menschlichen Organismus (auch über den Leaky Gut hinaus) verbreiten sich eher langsam. Eine Vorreiterin in diesem Bereich ist Susan Owens, Head of Autism Oxalate Project am Autism Research Institute (etwa: Leiterin des Autismus-Oxalat-Projektes am Autismus-Forschungszentrum). Sie und andere Oxalat-Experten veröffentlichen Informationen auf der Seite http://www.lowoxalate.info.

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Saponine und Glykoalkaloide

Hülsenfrüchte, Pseudogetreide und Nachtschattengewächsen sind besonders reich an Saponinen, wobei alle Pflanzen diese Antinährstoffe enthalten. Der Name “Saponine" lässt vielleicht schon auf ähnliche Eigenschaften wie “Seife" schließen und in der Tat haben Saponine waschmittelähnliche Eigenschaften. Kennen Sie indische Waschnüsse? Diese strotzen nur so vor Saponinen.

Saponine schaffen es, über ihre seifigen Eigenschaften Löcher in die Zellwände der Enterozyten zu “waschen", was diese Zellen für diverse Inhalte aus dem Darm öffnet. Dadurch werden die Enterozyten geschädigt und abgetötet. So wird unsere Darmschleimhaut durchlässig und ein Leaky Gut entsteht.

Innerhalb der Saponine gibt es wiederum weitere Unterteilungen, sodass anscheinend die Wirkung der einzelnen Saponine unterschiedlich “dramatisch" sein kann. Manchen Saponinen wurde sogar nachgewiesen, dass sie Krebs vorbeugen können.7

Glykoalkaloide sind eine Gruppe von natürlich vorkommenden, giftigen Pflanzenstoffen, die zu den Saponinen gehören und in Nachtschattengewächsen (Tomate, Kartoffel, Paprika, Pfeffer, Aubergine und anderen) vorkommen. Verschiedene Glykoalkaloide können menschliche Zellen abtöten oder auch ihre Durchlässigkeit erhöhen. So tragen sie zu einem Leaky Gut bei.8

Alkohol ist schlecht für unseren Darm

“Wenn es um Autoimmunerkrankungen geht, schadet Alkohol mehr als das er nützt."9

So öffnet Alkohol die Darmbarriere übermäßig, indem er die Zellzwischenräume lockert, wodurch relativ große Moleküle in unseren Organismus gelangen können. Außerdem begünstigt er das Wachstum von gramnegativen Bakterien im Darm, welche häufig Krankheiten verursachen. Dieses außerordentliche Wachstum der krankmachenden Bakterien führt wiederum zu einem Ungleichgewicht der Darmflora. Diese “Dysbiose" (Ungleichgewicht) begünstigt, wie wir schon weiter oben diskutiert haben, ein Leaky Gut.9

Dr. Sarah Ballantyne schreibt weiterhin: “… es gibt Untersuchungen, die belegen, dass schon ein einziger Drink zu Schädigungen führen kann. Bereits sehr kleine Alkoholmengen können den Darm schädigen, besonders den oberen Abschnitt des Dünndarms, und einen durchlässigen Darm auslösen. Vielleicht wundern Sie sich jetzt, warum moderatem Alkoholkonsum vorteilhafte Wirkungen zugesprochen werden, wenn bereits ein alkoholisches Getränk zu derart schweren Schädigungen des Dünndarms führen kann. Gesunde Menschen, die nur gelegentlich Alkohol trinken, lösen durch die geringen Alkoholmengen keine bakterielle Überbesiedlung aus und gönnen ihrem Körper in alkoholfreien Episoden ausreichend Zeit, sich zu erholen."10

Zu viel Stärke und Zucker schaden der Darmschleimhaut

Lebensmittel, die reich an Stärke oder Zucker sind, führen zur Freisetzung von Entzündungsfaktoren. Hiermit sind alle kohlenhydratlastigen Nahrungsmittel gemeint, inklusive Getreide jeder Art und auch Kartoffeln. Dies beschreibt Klaus Wührer in seinem Buch “Prophylaxe und Therapie durch artgerechte Ernährung“. Er führt außerdem aus, dass es durch zu viel Stärke und Zucker direkt in der Darmschleimhaut zu Entzündungen und Autoimmunprozessen kommt.11 Diese Problematik fördert ebenfalls die Entstehung eines Leaky Gut.

Foto: Alina Karpenko @ Unsplash

Der Zusammenhang zwischen Leaky Gut und Autoimmunerkrankungen

Eine gestörte Darm-Barriere heißt, dass die Durchgänge ins Innere des menschlichen Organismus weiter geöffnet sind als normal oder dass sie sich nicht schnell genug wieder schließen. Dadurch gelangen Giftstoffe oder auch Bestandteile in unsere Blutbahn, die noch nicht vollständig aufgespalten sind.

Bei Eiweißen werden die kleinsten Bestandteile als Aminosäuren bezeichnet. Für unseren Körper ist es wichtig, diese kleinsten Puzzle-Stücke als solche aufzunehmen und nicht als Ketten von Aminosäuren, auch Peptide genannt. Geschieht dies dennoch – zum Beispiel über eine gestörte Darm-Barriere, wird unser Immunsystem alarmiert, um diese Peptide zu beseitigen.

Das Immunsystem “kennt" diese Eiweißpartikel nicht, identifiziert sie demnach als “fremde Eindringlinge" und bildet Antikörper gegen sie. Durch die Antikörper ist es möglich, die Eindringlinge zu entschärfen. Gleichzeitig merkt sich das Immunsystem, wie der Eindringling beschaffen war, um ihn möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu bekämpfen.

Bei Autoimmunerkrankungen wird körpereigenes Gewebe durch das Immunsystem angegriffen und zerstört. Dies wird unter anderem dadurch erklärt, dass die Eiweißpartikel, die schon einmal als “fremde Eindringlinge" identifiziert wurden, durchaus Ähnlichkeiten mit Eiweißpartikeln unserer Körpergewebe aufweisen. Stellen Sie sich eine sehr lange Kette vor, mit vielleicht 200 oder 2000 Kettengliedern. Jedes Kettenglied repräsentiert eine Aminosäure innerhalb einer Eiweißstruktur. Zwei Ketten der gleichen Länge sehen sich zum Verwechseln ähnlich, auch wenn ein Kettenglied dabei unterschiedlich ist. Im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen bezeichnet man diese Verwechslung von Eiweißsequenzen und krank machenden Erregern als molekulare Mimikry. Dieser zentrale Mechanismus beim Auftreten der Erkrankungen wird durch die übermäßig durchlässige Darmbarriere erheblich begünstigt.12, 13

Woher wissen Sie, dass Sie einen stark durchlässigen Darm haben?

Einige körperliche Beschwerden werden mit einem Leaky Gut in Verbindung gebracht. Dazu gehören chronischer Durchfall, Blähungen und Verstopfung – oder eine Kombination all dessen. Durch die gestörte Darmschleimhaut ergeben sich oft Verwertungsstörungen, die sich durch Gewichtsverlust, Ödeme, Blutungsneigung, Anämie, Krämpfe, Schwäche oder Ausbleiben der Regelblutung äußern können.

Außerdem haben wir gesehen, dass der gesamte menschliche Körper potenziell mit überschießenden Entzündungen umgehen muss, wenn durch den löchrigen Darm Eindringlinge in den Organismus gelangen.

Eine Laboruntersuchung kann Klarheit in Bezug auf einen stark durchlässigen Darm bringen. Dazu kann einerseits eine Stuhlprobe oder andererseits Blut herangezogen werden. Es werden verschiedene Parameter untersucht, zum Beispiel die Häufigkeit des Moleküls Zonulin, was weiter oben bereits erwähnt wurde. Auch wird das sogenannte Alpha-1-Antitrypsin, sektretorisches IgA und auch Calprotectin dafür herangezogen. Sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten, welche Untersuchung in Ihrem Fall Sinn macht!

Kann ein Leaky Gut heilen?

Einen Leaky Gut zu heilen würde bedeuten, den Darm wieder weniger durchlässig für Eindringlinge – nämlich unvollständig aufgespaltene Eiweiße – zu machen. Dadurch würde das Immunsystem gewissermaßen zur Ruhe kommen, es würden weniger Entzündungen im Körper bestehen und unser Organismus hätte unter Umständen genug Energie für bestimmte Heilungsprozesse. Die Heilung eines übermäßig durchlässigen Darms ist so eine wichtige Voraussetzung auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden und Gesundheit.

Ich hoffe, es freut Sie ebenso wie mich, zu lesen, dass dies durchaus im Rahmen des Möglichen liegt: unsere Darmschleimhautzellen haben eine relativ kurze Lebensdauer. Das bedeutet, sie sterben relativ schnell ab und werden ebenso schnell immer wieder neu gebildet. Schon nach drei Tagen wird eine Schleimhautzelle durch eine neue ersetzt, rasend schnell im Vergleich zu anderen Zellen des menschlichen Körpers. Die Chance für unsere Gesundheit liegt genau darin, dass die durch einen Leaky Gut geschädigten Enterozyten relativ schnell durch neue, gesunde Darmschleimhautzellen ersetzt werden.

Die besten Tipps für einen gesunden Darm

Wenn wir nun Nahrungsmittel, die zu Leaky Gut führen, für einen bestimmten Zeitraum aus unserer Ernährung streichen, geben wir den neuen Darmschleimhautzellen die Chance, eine gesunde Darm-Barriere zu bilden. Die Lebensmittel haben wir ganz grob oben beschrieben. Zusätzlich können wir andere Lebensmittel in unsere Ernährung aufnehmen, die ganz gezielt die Darmschleimhaut stärken und helfen, sie wieder aufzubauen. Dazu gehört aus meiner Sicht als allererstes Knochenbrühe, denn sie liefert Glutamin, eine Aminosäure, die genau das vermag.

Der Zeitraum des Streichens ist individuell verschieden. Für manche Menschen macht es Sinn, derartige Lebensmittel für immer zu streichen. Für andere sind hin und wieder Ausnahmen erträglich.

Hier auf Genuss und Glück wurden schon verschiedene Ernährungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankung vorgestellt. Sie haben gemeinsam, dass sie die meisten der hier als kritisch beschriebenen Nahrungsmittel von der Ernährung ausschließen. Lesen Sie doch noch einmal über:

Was können Sie sonst noch tun, auf dem Weg zu einem gesunden Darm?
  • Kauen Sie ausführlich, um Ihr Verdauungssystem zu entlasten.
  • Essen Sie erst, wenn Sie hungrig sind. So entstehen unter Umständen Essenspausen, die auch dem Darm eine Gelegenheit zur Erholung bieten.
  • Kümmern Sie sich um ein effektives Stressmanagement und wirksame Entspannungstechniken, da kaum ein Organ so unmittelbar auf Stress reagiert wie der Darm.
  • Bewegen Sie sich täglich in einem moderaten Tempo, um so die Verdauungstätigkeit zu unterstützen.
  • Reinigen Sie Ihre Gedankenwelt: Wenn Sie zu denken beginnen, dass mit all den genannten Tipps das Leben ja gar keinen Spaß mehr macht, dann möchte ich Ihnen die Frage stellen, warum ein Leben nur dann Spaß machen sollte, wenn man Dinge tun darf, die dem eigenen Körper Schaden zufügen?

Fazit

Der löchrige Darm – auch Leaky Gut genannt – ist einer der Schlüssel auf dem Weg, Autoimmunerkrankungen und deren Entstehung wirklich zu verstehen. Über unsere Ernährungs- und Lebensweise halten wir das Steuer für unsere Darmgesundheit tatsächlich in der Hand. Verschiedene hier aufgeführte Ernährungsweisen helfen dabei, einen gesunden Darm zu erhalten.

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1 E. Rinninella, M. Cintoni, P. Raoul, L.R. Lopetuso, F. Scaldaferri, G. Pulcini, G.A.D. Miggiano, A. Gasbarrini, M.C. Mele 2019. Food Components and Dietary Habits: Keys for a Healthy Gut Microbiota Composition.

2 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 90ff

3 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 104

4 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 107

5 https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/nierensteine/was-sind-nierensteine/

6 M.V. Suryavanshi, S.S. Bhute, S.D. Jadhav, M.S. Bhatia, R.P. Gune, Y.S. Shouche 2016. Hyperoxaluria leads to dysbiosis and drives selective enrichment of oxalate metabolizing bacterial species in recurrent kidney stone endures.

7 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 108

8 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 110

9 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 111

10 S. Ballantyne 2016. Die Paläo-Therapie – Stoppen Sie Autoimmunerkrankungen mit der richtigen Ernährung und werden Sie wieder gesund. 112

11 K. Wührer 2015. Prophylaxe und Therapie durch artgerechte Ernährung. 265

12 Q. Mu, J. Kirby, C.M. Reilly, X.M. Luo 2017. Leaky Gut As a Danger Signal for Autoimmune Diseases.

13 A. Fasano 2012. Leaky gut and autoimmune diseases.

Fotos: JOSHUA COLEMAN, Joshua Newton, Heather Gill, Alina Karpenko @ Unsplash


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Franziska Mickley hat sich als empathischer Gesundheitscoach und Bloggerin auf die Bedürfnisse von Menschen mit Autoimmunerkrankung(en) spezialisiert. Dabei richtet sie ihr Handeln an der menschlichen Natur aus: jeder Schritt zu "mehr Mensch" ist ein Schritt in Richtung gesteigerter menschlicher Gesundheit. Das bedeutet auch, durch gesunde Ernährung und Lebensweise Krankheiten möglichst gar nicht erst zuzulassen. Franziskas Artikel liefern nicht nur Wissen sondern auch Rezeptideen, denn sie ist durch ihre eigene gesundheitliche Reise zu einer kreativen Köchin geworden.

2 Kommentare
  1. Lilli 25. Januar 2020 at 05:33 - Antworten

    Super!

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